Obwohl von dort nichts kommen kann

Eine Kreuzung in Friedrichshain, die Karl-Marx-Allee trifft auf die Straße der Pariser Kommune, dass es nur so kracht. Seit Jahren wird hier irgendwas gebaut oder abgerissen, wer weiß es schon, seit Jahren stehen hier nur provisorische Ampeln in bulgarischer Schaltung: Mal gehen sie, meistens gehen sie nicht. Kann ein Vater hier seinem Sohn beibringen, wie man sich im Straßenverkehr richtig orientiert? Einer versucht es wenigstens, guckt links, dann rechts, obwohl von dort nichts kommen kann, dann noch mal links, und das Kind schwenkt den Kopf mit, als wäre er an den des Vaters gebunden. Ein LKW aus MOL donnert vorbei, ein Taxi, ein Fahrrad mit einer Frau vorn und einem Hund hinten drauf. Da! Endlich eine Lücke, der Vater zerrt den Sohn auf die Insel in der Mitte. Auch dort ist die Ampel kaputt, blind schaut sie auf das Bemühen der Menschen, halbwegs gesund nach Hause zu gelangen. Jetzt rechts, dann links, obwohl von dort nichts kommen kann, dann noch mal rechts. Doch jetzt schaut das Kind nur noch auf den Asphalt vor sich. »Papa«, sagt es. »Überall, wo ich hin gucke, ist Berlin.«