Ohne Martinshorn, aber mit Blaulicht

Eine Häuserschlucht am Mehringplatz, nachts um halb drei. Unten auf der Straße, zwischen Supermarkt und Wettbüro liefern sich zwei Männer ein Wortgefecht. Es geht um verletzte Ehre, Lügen, eine Frau und, wenn man das richtig verstanden hat, eine nicht rechtzeitig zurückgegebene CD. Nun will der eine Mann den anderen umbringen, der andere den einen ebenso. »Ich stech dich ab!« – »Ich mach dich kalt!« – »Ruhe da unten!«, ruft ein Anwohner vom Balkon herunter. Es könne doch nicht wahr sein, er müsse in zwei Stunden zur Schicht und sowieso: Ob sie sich nicht bitte zu Hause umbringen könnten. Es hilft nichts. Die Polizei muss kommen. Um endlich Ruhe zu stiften, rast sie mit ohrenbetäubendem Tatütata die Friedrichstraße hinauf. Die Rivalen stieben davon, der eine durch den Theodor-Wolff-Park, der andere in Richtung Hallesches Tor. Die Polizisten stehen eine Weile herum und besprechen sich, dann suchen sie den Tatort mit Taschenlampen ab. Als sie wieder davon fahren, die Friedrichstraße hinunter, ohne Martinshorn, aber mit Blaulicht, hört man aus der Höhe die kehligen Rufe von Graugänsen, die über Kreuzberg ziehen. Zunächst auch in Richtung Hallesches Tor, dann aber weiter. Nach Süden. Fort von hier.