Ach, wissen Sie was
Ein siebzehnstöckiges Hochhaus in Kreuzberg, morgens um neun. Im Fahrstuhl unterhalten sich zwei blauhaarige Greisinnen. Sie sind in tiefer Sorge um ihre geliebten Katzen: In einem unbeaufsichtigten Moment könnten die Tiere vom Balkon in die Tiefe stürzen und zerschellen. Wenn der Vertreter klingelt, die Kartoffeln kochen, die Wollwäsche schleudert... »Ich kann nicht mal ans Telefon gehen«, sagt die eine in einem Ton, der offenbart, dass das Problem seit Jahren besteht. »Wenn die Katze einen Spatz sieht und ihm hinterher springt…« Sie lässt den unfertigen Gedanken im Fahrstuhl stehen, der nun in einen bodenlosen Abgrund zu rasen scheint. »Ich habe den Balkon verbarrikadiert«, sagt die andere. »Jetzt ist die Katze sicher. Aber mein Mann und ich können nicht mehr draußen sitzen. Und das jetzt, wo der Sommer doch noch mal zurückkommt!« Der Fahrstuhl nähert sich unaufhaltsam der Hölle, die blauhaarigen Greisinnen rüsten ihre Einkaufswägelchen. Dann öffnet sich die Tür. »Ach, wissen Sie was, Frau Maiakovksi«, sagt die eine. »Wer seine Katze liebt, der schafft sich besser erst gar keine an.«