Ja, da haben Sie recht
Abends um acht im Hinterhof des Umspannwerks Ost in Friedrichshain, vorm Eingang des Kriminaltheaters. Es ist so kalt, dass selbst blaues Licht warm leuchtet. So kalt, dass man sich einbildet, Rauchen könnte einen wärmen. Aber wie es so ist, weil es immer so ist: Man hat kein Feuer. Nirgends. »Haben Sie mal Feuer?« Der Mann, der da auch noch im Hinterhof steht, zwischen Mülltonnen und Sichtwerbung, gräbt in seinen Hosentaschen. Nein, aber den Zigarrenstumpen hier, den könne man gern haben. Der Stumpen ist etwas feucht an der Mundseite, aber immerhin: Feuer. Und gemeinsam rauchen, das wärmt ja doppelt, bildet man sich jedenfalls ein. Aber warum ist der Mann bloß so nervös, ja verängstigt? Er äugt in Richtung Eingang, offenbar bereit zu fliehen. »Ich habe da mal eine Frage«, sagt er, fahrig Rauch ausatmend. »Glauben Sie, dass in diesem Theater wirklich Menschen umgebracht werden?« Man will lachen, doch es ist nicht lächerlich: Dieser Mann befürchtet wirklich Schlimmstes. Nein, nein, sagt man, mit gespielter Onkeligkeit, das sei ja alles nur Theater, Fiktion! »Wirklich?« Aber ja, außerdem wäre es ja viel zu umständlich, für jede Vorstellung neue Schauspieler zu engagieren. Der Verschleiß! »Ja, da haben Sie recht.« Der Mann saugt an seiner Zigarre, er wirkt nun etwas ruhiger. Und dabei könnte es bleiben, wenn nicht in diesem Augenblick aus dem Innenraum ein markerschütternder Schrei dringen würde. Im Kriminaltheater ist jemand ermordet worden.
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